„Die Intelligenz der Gruppe nutzen“ – Welche Haltung ist hilfreich?

Was mich am meisten an der Arbeit mit Gruppen fasziniert ist die Dynamik, die entstehen kann, wenn wir die Intelligenz der Gruppe fördern und zulassen. Dahinter steht ein Mindset, das dem der Inklusion (ich meine als Weltanschauung, nicht als Instrument wie es aktuell unsere Sozialpolitik versteht) ähnelt. Das heißt, dass viele unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Skills eingeladen werden in echte, offene Gespräche zu relevanten Themen zu gehen.

Dabei darf es egofrei zugehen, denn es geht nicht darum sich oder das eigene Projekt möglichst gut zu verkaufen. Die Idee dahinter ist mit Hilfe der kollektiven Intelligenz möglichst hilfreiche Problemlösungen zu finden, die dann konkret umgesetzt werden können.

Wer die Intelligenz der Gruppe nutzt, vertritt die respektvolle Haltung, dass jeder Mensch unabhängig von Machthierarchie, Alter oder Ausbildung einen hohen Erfahrungsschatz an Wissen, Können und Perspektiven mitbringt. Eine Person respektive ein Leitungsgremium könnten weniger praxisnahe Lösungen entwickeln, als eine divers zusammengesetzte Gruppe relevanter Stakeholder.

Schließlich steht das Arbeiten mit Gruppenintelligenz für eine demokratische Haltung. Der Einzelne wird gesehen, wertschätzt und erhält eine gleichberechtigte Stimme. Es gilt das Motto: „Wir sind alle unterschiedlich und das ist gut so!“
Viel Spaß bei der lebendigen Arbeit mit Gruppen!

Silke Borgmann ist Trainerin, Moderatorin, Business Coach und Mutter. Sie steht für kollektives Bewusstsein und kollektive Kreativität in Unternehmen. www.silkeborgmann.de

Die Typologie des „Progressiven Wir“

So ticken die jungen und nicht mehr ganz so jungen Aktiven, die versuchen eine enkeltaugliche Zukunft zu erschaffen und sich dabei der konkreten Probleme im Hier und Jetzt annehmen. Laut Ergebnissen des Zukunftsinstituts haben sie den Paradigmenwechsel von der Ich- zur Wir-Gesellschaft vollzogen. Sie leben folgendes Mindset:

„Für Menschen mit einem “progressiven Wir” Mindset bemisst sich der Wert einer jeden Tätigkeit an ihrem Beitrag zum Wohlergehen der Gesellschaft. Dabei erwarten sie von jeder und jedem Einzelnen ein hohes Maß an eigenem Gestaltungswillen. Es ist aus ihrer Sicht wichtig, familiäre Verpflichtungen, individuelle Selbstverwirklichung und gesellschaftliche Mitgestaltung zu vereinbaren. Das Ziel einer Gesellschaft ist für sie, gemeinsam gute Bedingungen für alle zu schaffen. Gemeinnützige Tätigkeiten erscheinen ihnen in diesem Zusammenhang oftmals sinnvoller als eine Arbeit, die vor allem aus monetären Gründen ausgeübt wird. Sie sind nicht bereit, für materielle Sicherheit ihre Prinzipien zu verraten. Vom Staat erwarten sie, dass er allen Bürgern ein lebenswertes Auskommen garantiert, unabhängig davon, welches Einkommen diese am Arbeitsmarkt erzielen.“

Mir gefällt diese Einschätzung, ich finde mich darin wieder. Wie findest du diese Beschreibung? In wie weit kannst du dich damit identifizieren?

Quelle: www.next-germany.de/erkenntnisse-der-datenanalyse/

Silke Borgmann ist Trainerin, Moderatorin, Business Coach und Mutter. Sie steht für kollektives Bewusstsein und kollektive Kreativität in Unternehmen. www.silkeborgmann.de

Community Building – Labor für gutes Leben

Seit Jahren fasziniert mich das Thema Community Building. Der Begriff klang verheißungsvoll und umwehte mich zunächst als Hauch, jedes Mal, wenn ich über ihn stolperte. Dann wuchsen mein Bewusstsein und das Wissen rund um Wir-Kultur, Gemeinwohlökonomie und neues Denken und der Wunsch dort hineinzuschnuppern klopfte immer deutlicher an meine Tür. Dieses Jahr haben wir uns entschlossen „Community Building“ mit Haut, Haar und Familie zu erkunden und besuchen verschiedene Gemeinschaften, sogenannte Ökodörfer. Wir wollen verstehen wie Gemeinschaftsbildung im echten Leben funktioniert und wie es sich anfühlt vor Ort zu sein. Vor ein paar Monaten haben wir unsere erste Gemeinschaft – Sulzbrunn im Allgäu – besucht. Seit 2015 leben dort rund 40 Menschen zusammen. Wir durften sie mehrere Tage begleiten, vor Ort mithelfen (haben geholfen gefällte Stämme und Äste aus dem Wald zu schaffen) und einiges über die Entstehung und das Funktionieren der Gemeinschaft erfahren. Der Satz eines Bewohners klingt mir nach wie vor im Ohr: „Wir werden als Gemeinschaft immer besser!“

Der Wille zusammenzukommen und gemeinsam zu wachsen, in der Kommunikation miteinander, im Lösen von Konflikten und in Entscheidungsprozessen immer besser zu werden ist ein starkes Kommittent. In Ökodörfern werden diese Qualitäten täglich erprobt. Viele Erkenntnisse lassen sich bereits jetzt in unsere Leben und in unsere Organisationen exportieren. Als wir in einer Abschlussrunde im Kreis zusammen saßen blieb mir nur zu sagen: „Ich finde es toll, was ihr hier geschaffen habt und freue mich, dass ihr es mit anderen teilt!“

Peter Spiegel schreibt in seinem Buch „WeQ – more than IQ“, dass wir in unserer Gesellschaft neue Qualitäten brauchen: Empathie, Potentialentfaltung des Einzelnen, die Welt im Sinne aller denken, Austausch auf Augenhöhe, Ergebnisoffenheit. Diese Eigenschaften sind für ihn grundlegend für eine Zukunft in der wir menschlich, kooperativ und lebenserhaltend miteinander umgehen wollen. Zig Lebensgemeinschaften auf der ganzen Welt sind uns hier einen großen Schritt voraus. Sie haben sich auf den Weg gemacht enkeltaugliches Leben und Wirtschaften Realität werden zu lassen.

Silke Borgmann ist Trainerin, Moderatorin, Business Coach und Mutter. Sie steht für Kollektives Bewusstsein und Kollektive Kreativität in Unternehmen. www.silkeborgmann.de

Neue WIR-Kultur für Organisationen

Der Paradigmenwechsel

Die neue WIR-Kultur steht für den Übergang von der modernen Gesellschaft hin zur Netzwerkgesellschaft. Verschiedene Vordenker versuchen diese durch bildliche Ansätze zu beschreiben. Ulrich Weinberg spricht von Brockhausdenken versus Netzwerkdenken.  Seine provokante These lautet sinngemäß der Brokhaus ist tot – es lebe das Netzwerk. Laut Weinberg werden wir nicht mehr in aufeinanderfolgenden ABC-Sequenzen, nicht mehr stringent im Sinne von Zielplanung, Meilensteinen und geraden Wegen zum Ziel denken, sondern in vernetzten Knotenpunkten, die ein Wissensgeflecht aufbauen und sich gegenseitig unterstützen. Peter Spiegel identifiziert den WeQ und sagt WeQ ist mehr als IQ. Er spricht von neuen Qualitäten, die wir in Zukunft brauchen werden: Empathie, Potentialentfaltung des Einzelnen, Austausch auf Augenhöhe, Team und Prozess, Ergebnisoffenheit.

Das sagt die Zukunftsforschung

Das Zukunftsinstitut hat in umfassenden Umfragen die Notwendigkeit eines Paradigmenwechsels in unserer Gesellschaft identifiziert. Es seien nicht die Politiker oder Unternehmen, die das sagten, sondern die Mehrheit der Deutschen. Die Menschen merkten, dass sich ein tiefgreifender Wandel vollziehe, der die Gesellschaft spalten oder neue Formen der Partizipation und des Miteinanders schaffen könne. Wir würden uns von einer Gesellschaft in der ein Parteiprogramm vorgestellt und dann vom Bürger diskutiert werde, hin zu einer Gesellschaft entwickeln, in der Social Entrepreneure und Bürger ihre Programme selbst erstellten. Auch meiner Beobachtung nach wird Politik von unten immer entscheidender. Der Mensch erobert sich seine Umwelt zurück und will diese selbst gestalten. Maßnahmen, wie die Einführung von Bürgerbudgets, die für Nachbarschaftsprojekte von Menschen für Menschen zur Verfügung stehen, sind ein Beispiel für vom Staat geschaffene Rahmenbedingungen, um auf das stärker werdende Bedürfnis nach Selbstbestimmung der Bürger zu antworten. Somit werden die Initiativen kleinteiliger, bleiben häufig noch unter dem Radar der klassischen Berichterstattung. Im Gegenzug sind sie selbstorganisiert und intrinsisch motiviert. Ein weiterer Aspekt unserer sich wandelnden Gesellschaft ist also, dass Veränderungen zunehmend aus sich selbstheraus geschehen werden, orientiert an den alltäglichen Bedürfnissen der Menschen. Die Zukunft wird dadurch weniger planbar. Wir werden weniger versuchen die Zukunft hervorzusagen und zu kontrollieren. Im Gegenteil werden wir mehr ausprobieren, mehr machen und schließlich den Weg gehen, der sich für das Individuum ebenso wie für eine übergeordente Sinngemeinschaft richtig und gut anfühlt.

Was bedeutet das eigentlich für Unternehmen?

Was heißt das für Organisationen? Zunächst wird der Mitarbeiter zunehmend in die Mündigkeit kommen. Führungskräfte werden mehr Freiräume lassen, stärker auf das Wissen und die Kreativität divers zusammengesetzter Teams setzen. Im Idealfall nicht nur interdisziplinäre Teams, sondern ebenso Teams unterschiedlicher Altersstrukturen oder Kulturen. Dieser Austausch und Prozess braucht professionelle Anleitung und Moderation von Menschen, die beide Sprachen sprechen. Die Sprache der alten Kultur und die der Neuen. Es wird Menschen brauchen, die sich auf Nicht-Wissen und geplante Unsicherheit einlassen können und die Organisationen dennoch einen sicheren Rahmen bieten. Der Kulturwandel vollzieht sich bereits in vielen Bereichen, wie Frederic Laloux in seinem Buch „Reinventing Organisations“ identifiziert. Er spekuliert, ob wir eine neue Bewusstseinsstufe brauchen, um Organisationen neu zu definieren. Es wird um Ganzheit gehen, im Sinne von Platz für den ganzen Menschen im Unternehmen, nicht nur für das berufliche Selbst. Es geht um organische Weiterentwicklung, also aus sich selbst heraus. Es geht darum im Inneren flexibel zu bleiben, innere Vielfalt zu generieren und zu kultivieren. Dafür wird es nicht zuletzt Menschen brauchen, die sich auf neue Prozesse einlassen wollen, denen das Miteinander wichtiger ist als das Ich und die die Potenziale der neuen WIR-Kultur erkennen und mitgestalten wollen.

Silke Borgmann ist Trainerin, Moderatorin, Business-Coach und Mutter. Sie steht für kollektives Bewusstsein und kollektive Kreativität in Unternehmen. www.silkeborgmann.de

Warum Unternehmen dringend einen Wertewandel brauchen

Eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung zeigt: Frauen verdienen weniger, wenn sie nach der Elternzeit zurück in den Beruf kommen. Von Unternehmen werden sie dann häufig als weniger kompetent eingestuft oder die Reduzierung auf Teilzeit wird als Motivationsdefizit gewertet.

Meiner Beobachtung nach trifft das Gegenteil zu: Frauen bringen gerade nach einer Elternzeit mehr Kompetenzen in ihre Erwerbsarbeit ein. Sie sind engagiert, multitaskingfähig, empathisch, mit Herz und Hand dabei, schauen über den Tellerrand, haben rund um die Geburt und während der Elternzeit ein kostenloses Persönlichkeitsentwicklungsprogramm absolviert und haben das Privileg die größten Innovatoren unserer Zeit täglich begleiten zu dürfen.

Liebe Unternehmen, stürzt euch auf Mütter als Arbeitskräfte und nutzt ihr Erneuerungspotential, um den notwenigen Wertewandel im Unternehmen voranzutreiben. New Work-Mentalität und Innovationsfähigkeit gibt es gratis dazu.

Silke Borgmann ist Moderatorin, Business Coach und Mutter. Sie steht für kollektives Bewusstsein und kollektive Kreativität in Unternehmen. www.silkeborgmann.de

Panoptikum – der Blog

Panoptikum oder Wunschkammer bezeichnet einen Raum, in dem Kuriositäten einer Zeit gesammelt, in Kontext gestellt und einer Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. In diesem Blog betrachte ich unsere Gesellschaft unter dem Fokus des sich abzeichnenden Paradigmenwechsels. Vom Ich zum WIR, vom vorherrschenden Wirtschaftssystem zur Sinn-Ökonomie. Dabei erzähle ich mal persönlich, zitiere Statistiken, kommentiere zeitgenössische Artikel und spinne Visionen einer schönen neuen Welt. Damit verbunden sind Wünsche und Wundervolles. Also vieles, das eine Wunschkammer braucht, um den Besucher zu überraschen, zu faszinieren und etwas Neues im Innen und Außen anzustimmen.