Panoptikum – der Blog

Panoptikum oder Wunschkammer bezeichnet einen Raum, in dem Kuriositäten einer Zeit gesammelt, in Kontext gestellt und einer Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. In diesem Blog betrachte ich unsere Gesellschaft unter dem Fokus des sich abzeichnenden Paradigmenwechsels. Vom Ich zum WIR, vom vorherrschenden Wirtschaftssystem zur Sinn-Ökonomie. Dabei erzähle ich mal persönlich, zitiere Statistiken, kommentiere zeitgenössische Artikel und spinne Visionen einer schönen neuen Welt. Damit verbunden sind Wünsche und Wundervolles. Also vieles, das eine Wunschkammer braucht, um den Besucher zu überraschen, zu faszinieren und etwas Neues im Innen und Außen anzustimmen.

Balkoneier und Innenhofmilch?

Am Wochenende waren wir mit unseren Kindern auf einem Bauernhof im Allgäu. Den Kuhstall mit 20 Kühen fand unser vierjähriger Sohn nicht schön. Er war ihm zu schmutzig. Jetzt möchte er 1000 Kühe in den Innenhof unserer Münchner Wohnanlage stellen. „TAUSEND“, wie er mehrmals betonte. „Jedoch in einen SAUBEREN Stall. Auf den Balkon kommen Hühner.“ So hätten wir immer frische Eier und frische Milch. Unsere Gurken und Tomaten ziehen wir bereits auf dem Balkon. Ob sich der Rest wohl auch realisieren ließe? EINE Kuh würde aus meiner Sicht ja erstmal reichen. Aber was wohl die Nachbarn dazu sagen?

Zum Thema urbane Selbstversorgung fällt mir ein, dass die Münchner Polizei dank mehrerer Bienenstöcke auf der Dachterrasse des Innenstadt-Präsidiums jetzt Honig herstellt. Scheinbar sei die Ausbeute hier sogar größer als auf dem Land, da die Bienen in der Stadt weniger mit Pestiziden und Monokulturen zu kämpfen hätten, sich dafür an den reich bepflanzten Blumenkästen der städtischen Balkone und Parks labten. Einen Teil des Honigs will die Münchner Polizei verkaufen. Den Rest spenden. Ob wir wohl ins Geschäft kämen?… Biete Balkoneier gegen Honig!

www.polizeibienenhonig.de

Silke Borgmann ist Trainerin, Moderatorin, Business Coach und Mutter. Sie steht für Kollektives Bewusstsein und Kollektive Kreativität. www.silkeborgmann.de

Kollektive Visionen einer besseren Welt

Woher kommt die Kraft für positive Veränderungen?

Wir Menschen haben die Kraft der Imagination. Wir können in Visionen gehen, uns eine schöne Zukunft ausmalen und dadurch positive Emotionen generieren. Das Gehirn unterscheidet emotional betrachtet nicht zwischen Realität und Fiktion. Was wir uns vorstellen, kann irgendwann auch geschehen. Das Prinzip der Anziehung oder selbsterfüllenden Prophezeiung bringt uns unseren Vorstellungen näher. Wenn wir unsere Gesellschaft positiv verändern wollen, kann es also hilfreich sein in eine kollektive Vision einer erstrebenswerten Gesellschaft zu gehen.

Vor zwei Wochen fuhr ich nach Mannheim zur Jahreskonferenz der Gemeinwohl-Ökonomie. Bis auf zwei, drei Gesichter waren mir die meisten dort fremd. Ich war gespannt auf die Menschen vor Ort und auf die angebotenen Workshops. Selbst hatte ich Lust die kraftvolle Methode des Traumkreises, die ich zuvor im Ökodorf Sieben Linden kennengelernt hatte, mit Interessierten zu teilen. Wer sich mit der Idee der Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) als einem neuen, ethischen Wirtschaftsmodell befasst, begreift die Genialität der Idee und was sie für unsere Welt tun könnte. Kurz gesagt steht die Gemeinwohl-Ökonomie für eine ethische Marktwirtschaft, deren Ziel nicht die Vermehrung von Geldkapital, sondern das gute Leben für alle ist. Ich wollte im Workshop dieses gemeinsame Verständnis über die GWÖ als Basis nutzen und mich gleichzeitig in eine Welt hineindenken, in der dieses Ideal (ein gutes Leben für alle) bereits möglich wäre. Wie wäre es in so einer Welt zu leben? Wie würde sich das anfühlen? Wie soll eine solche Zukunft in meinem Ideal aussehen, damit ich sie persönlich als erstrebenswert empfinde?

Im Plenum von 150 Teilnehmern griff ich zum Mikrofon und lud zum Workshop ein. Die Fragestellung lautete: Lasst uns gemeinsam träumen und in eine starke Vision gehen. Wie kann eine Gesellschaft aussehen in der Gemeinwohl-Ökonomie gelebt wird? Wie denken, fühlen, handeln wir dann? Wie soll diese Zukunft aussehen, damit ich mir nichts Besseres vorstellen kann, als mich mit Herz, Hand und Verstand dafür zu engagieren?

Es war ein heißer Tag, knapp 40 Grad, innen wie außen. Wir saßen zu acht im Kreis, die Teilnehmer stammten aus drei verschiedenen Nationen. Um einen vertrauensvollen Raum zu schaffen, der wahre Wünsche zuließe, gingen wir zunächst in eine kurze Meditation, zentrierten uns und verbanden uns mit unseren Herzen. Als allen die Fragestellung klar war, ließen wir den Redestab herum gehen und entwickelten Satz für Satz unsere Vision einer besseren Welt. Jeder fügte pro Runde einen Aspekt zur Vision bei. Dabei wurde kein „hätte Mal“ oder „könnte Mal“ genannt, sondern Visionen, die der Einzelne tatsächlich bereit ist einzubringen und umzusetzen.

Was in der nächsten Stunde geschah war erstaunlich! Wir hörten eigene Visionen und die der anderen vorurteilsfrei und mit Achtsamkeit, inspirierten uns gegenseitig, verstärkten Visionen und entwickelten ab Runde vier oft ähnliche Gedanken. Unsere Herzen und Köpfe hatten sich synchronisiert, es sprudelte trotz der Hitze, zwischendurch kam ein anerkennendes Brummen, wenn eine Vision besonders berührte. Schließlich hatten wir sechs Flipchart-Seiten gefüllt. Hier, im Kasten, unsere Ergebnisse: Wir ergänzten jeweils den Satz „In meiner Vision…“

In meiner Vision...
…trägt alles was ich tue zum Wohle der Menschen und des Planeten bei …sind Menschen zufrieden …leben wir mehr Gemeinschaftlichkeit …muss keiner Angst vor Altersarmut haben …basiert Bildung auf Empathie und echtem Interesse für Themen …sind die Menschen in Frieden mit sich selbst …wachsen Kinder in Gemeinschaft auf …wird die Natur/Umwelt nicht verletzt …sind wir für all das Gute in unserem Leben dankbar …hören wir uns zu …gibt es keine Flüchtlinge in der Welt …gibt es wirkungsvolle Methoden, um Konflikte zu überwinden …helfen wir uns gegenseitig …interessieren wir uns für einander …braucht es keine Staatsgrenzen …werden Musik, Kunst und Tanz unterstützt …herrscht Gleichberechtigung …sind wir bereit das Gute und Besondere im anderen zu sehen …erfreuen wir uns an den Wundern der Natur …können wir uns frei bewegen ohne Angst haben zu müssen …arbeiten wir aus Interesse heraus, nicht für Geld …leben wir EIN Ökosystem, inkl. Menschen …leben wir viel partizipative Kultur …leben wir Kreislaufwirtschaft …respektieren wir Tiere und ihre Leben …leben wir in Häusern aus Holz, Stroh und Lehm, alle Dächer sind grün …ist es normal das innere Kind im Erwachsenen zu leben …können auch Erwachsene kindliche Unvoreingenommenheit leben …verbessert sich die natürliche Bodenqualität von Jahr zu Jahr …können sich Menschen vergeben …pflanzen Menschen einen Teil ihrer Lebensmittel selbst an …sind wir fortgekommen von der leistungsorientierten Gesellschaft …brauchen wir keine Altersheime mehr (Familien oder Gemeinschaften kümmern sich um bedürftige Menschen) …haben sich unsere natürlichen Ressourcen erholt …muss ich andere nicht durch Konsumgüter beeindrucken …pflanzt jeder in seiner Freizeit Bäume oder Blumen an …tanzen wir mehr zusammen …respektieren wir uns gegenseitig …erhalten wir bedingungsloses Grundeinkommen …fühlen wir uns tief mit dem Universum verbunden …brauchen wir kein Geld mehr …strahlen wir von innen heraus …haben wir Zeit, um gemeinsam Zeit zu verbringen …wird an Medikamenten kein Geld verdient …sind die Menschen in der Lage die Liebe, die ihnen entgegengebracht wird zu spüren …müssen wir nicht mehr so tun als ob …respektieren wir persönliche Grenzen und lassen uns gegenseitig in Frieden …sehen Religionen ihre tiefen Gemeinsamkeiten und erkennen diese gegenseitig an …vermieten Unternehmen Produkte, anstatt sie zu verkaufen …gibt es eine universelle Religion, die auf inneren, menschlichen Wahrheiten basiert …gibt es keinen Neid und keine Gier …sind Geist und Körper verbunden …feiern wir unsere großartige Gegenwart und Zukunft …respektieren wir die Natur als Teil von uns selbst …haben alle Kinder eine gute Zukunft

Am Ende der Übung wollten wir die Visionen kategorisieren, um dann festzustellen, dass sie erstmal so stehen bleiben und für sich wirken sollten.

Die Konferenz war inspirierend und ich komme mit menschlich wertvollen Kontakten und hilfreichen Informationen zurück. Mein Experiment des Traumkreises war geglückt. Wir hatten uns in eine wunderbare Zukunft hineingedacht und sie somit für einen Moment in unseren Köpfen und Herzen Realität werden lassen. Diese Methode schafft Möglichkeiten, die nicht oktroyiert sind, sondern intrinsisch motiviert und somit greifbar – im Alltag des Einzelnen.

Ich möchte ermutigen, jeden für sich und gemeinsam, in kollektive Visionen einer Zukunft zu gehen, die wir uns von Herzen wünschen. Die Wege dorthin sind machbar. Viel Spannendes passiert zur Zeit in unzähligen Graswurzelbewegungen und in der Politik. Das Erspüren und Fühlen von positiven Zukunftsbildern macht diese für uns konkret und greifbar. Das A und O einer demokratischen Bewegung bleibt für mich zudem, dass wir als Einzelne und als Organisationen eine Idee davon haben, wohin wir wollen und friedvoll, freiheitlich, offen und konstruktiv mitgestalten. Gesellschaften können sich innerhalb weniger Jahre schleichend in die eine oder andere Richtung radikalisieren. Das kennen wir aus unserer Vergangenheit sehr gut. Daher ist es m.E. relevant, dass wir immer wieder in uns hineinhören und unsere inneren Wahrheiten mit dem aktuellen Geschehen im Außen abgleichen. Dann können wir entscheiden in welche Richtung wir unsere Welt prägen wollen.

Mich interessiert: Welche Visionen treiben dich um? Welche der obigen Visionen berühren dich oder lösen etwas in dir aus? Hinter welche der Visionen oben im Kasten kannst du in deiner Realität schon einen Haken machen?

Weiterführende Links: Die Gemeinwohl-Ökonomie kurz erklärt, Wirtschaft umdenken – wir brauchen neue Instrumente für enkeltaugliches Wirtschaften

Silke Borgmann ist Trainerin, Moderatorin, Business Coach und Mutter. Sie steht für Kollektives Bewusstsein und Kollektive Kreativität in Unternehmen. www.silkeborgmann.de

Kollektive Kreativität – wozu wir sie in Unternehmen brauchen

Ich bin ein Fan vom Nutzen kollektiver Intelligenz und kollektiver Kreativität. Sie ist in verschiedenen gesellschaftlichen Feldern einsetzbar. Wozu brauchen wir sie in Unternehmen? Meine Sichtweise kurz zusammengefasst:

Kollektive Kreativität ist eine kraftvolle Form des Zusammenkommens im Unternehmen bei der die gemeinsame Kommunikation und das Co-Kreieren im Mittelpunkt stehen. Bekannte Formate sind Open Space, World Café, Pro Action Café oder Fish Bowl. Bei guter Vorbereitung und Moderation entsteht dabei ein Raum voller Energie, der uns ein Gefühl davon vermittelt, wie stark wir als Gruppe sein können, wenn wir konstruktiv zusammenarbeiten.

Kollektive Kreativität ist ein Mittel, um schnell Informationen einer großen Gruppe zu ermitteln, Einsichten zu gewinnen und Lösungen zu entwickeln. Dabei nutzen wir konsequent die Intelligenz der Gruppe: Es entsteht der Eindruck eines lebenden Organismus, in dem Wissen fließt.

Des Weiteren ermöglichen die obigen Großgruppen-Methoden eine Demokratisierung der Kreativität, da sich jede und jeder mit individuellen Ideen, Gedanken, Befürchtungen und Lösungen einbringen kann. Diese können sich gegenseitig inspirieren und aufeinander aufbauen.

Kollektive Kreativität dient als Lernplattform für Mitarbeiter und stiftet Sinn. Durch den partizipativen Prozess kann sie außerdem Egos, Silos und Hierarchien überwinden. Schließlich ermächtigt das Arbeiten mit Großgruppenformaten sowohl den einzelnen Mitarbeiter als auch die Organisation als Ganzes und macht richtig viel Spaß!

Im Idealfall entwicklen wir damit Lösungen, die die Welt ein Stück besser machen.

Silke Borgmann ist Trainerin, Moderatorin, Business Coach und Mutter. Sie steht für Kollektives Bewusstsein und Kollektive Kreativität in Unternehmen. www.silkeborgmann.de

Wirtschaft umdenken – Wir brauchen neue Instrumente für enkeltaugliches Wirtschaften

Das Bruttoinlandsprodukt als Messlatte für unseren Wohlstand sei überholt, sagt Rutger Bregman sinngemäß in seinem Buch „Utopien für Realisten“. Es messe nur einen kleinen Ausschnitt der relevanten Arbeit unseres Landes. Viel wertvolle Arbeit für Staat und Umwelt, die unser tägliches Leben am Laufen und Funktionieren hält, die unsere Kinder zu moralisch wertvollen Geschöpfen unserer Gesellschaft ausbildet, die alte Menschen umsorgt und pflegt, die sich für das Wohl und Wehe unserer Umwelt einsetzt, bleibt unter dem Radar des BIP verborgen. Fahre ich unser Auto morgen zu Schrott und kaufe mir ein Neues, so wirkt sich das positiv auf das BIP aus. Wir brauchen neue Messinstrumente, die die wertvollen und doch nach wie vor unbezahlten Arbeiten unserer Gesellschaft berücksichtigen. Messinstrumente, die auch die Kosten im Sinne eines ökologischen Fußabdrucks einkalkulieren. Messinstrumente, die ein völlig neues Licht auf Arbeit und Produktivität werfen, die einen grundlegenden Prioritätenwandel abbilden.

Die Gemeinwohl-Ökonomie hat eine Methode geschaffen die Arbeit zum Wohle der Gemeinschaft zu messen. Ihr Ziel besteht darin, dass Organisationen eine sogenannte Gemeinwohlbilanz erstellen, das heißt, dass sie, neben einer monetären Bilanz, anhand von konkreten Kriterien ihr Engagement für die Gemeinschaft messen. Betrachtet werden soziale, ökologische und ökonomische Aspekte bezogen auf die verschiedenen Stakeholder des Unternehmens. Als eines der größeren Unternehmen hat VAUDE bereits mehrmals seinen Impact für das Gemeinwohl bilanziert. Im Unterschied zur monetären Bilanz geht es weniger darum monetär besonders gut dazustehen, sondern einen Prozess zu starten, der die Unternehmenskultur nachhaltig verändert.

Im aktuellen Wirtschaftssystem ist es derzeit zum Beispiel gängige Praxis, dass ein Unternehmen, das die Optimierung seiner monetären Bilanz anstrebt, feste Stellen reduziert, um Gehälter und damit Personalkosten einzusparen. Dies geschieht häufig zum Leidwesen der verbleibenden Mitarbeiter, die die Reduzierung kompensieren müssen. Wer eine Gemeinwohlbilanz erstellt, wird versuchen, die Lebensqualität der Mitarbeiter zu erhöhen und, um beim Beispiel zu bleiben, weitere Stellen schaffen. Das Plus an Personalkosten macht sich im Gewinn des Unternehmens natürlich bemerkbar. Solange das Unternehmen gesund bleibt, spielt dies jedoch eine untergeordnete Rolle. Denn als erfolgreich gilt ein Unternehmen im Sinne der Gemeinwohlökonomie nicht, wenn es einen möglichst hohen Gewinn erzielt, sondern, wenn es möglichst viele Punkte in seiner Gemeinwohlbilanz sammelt. Eine hohe Punktzahl soll von der Politik belohnt werden, durch niedrigere Steuern und andere monetäre Vergünstigungen.

Silke Borgmann ist Trainerin, Moderatorin, Business Coach und Mutter. Sie steht für Kollektives Bewusstsein und Kollektive Kreativität in Unternehmen. www.silkeborgmann.de

„Die Intelligenz der Gruppe nutzen“ – Welche Haltung solltest du mitbringen?

Was mich am meisten an der Arbeit mit Gruppen fasziniert ist die Dynamik, die entstehen kann, wenn wir die Intelligenz der Gruppe fördern und zulassen. Dahinter steht ein Mindset, das dem der Inklusion (ich meine als Weltanschauung, nicht als Instrument wie es aktuell unsere Sozialpolitik versteht) ähnelt. Das heißt, dass viele unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Skills eingeladen werden in echte, offene Gespräche zu relevanten Themen zu gehen.

Dabei darf es egofrei zugehen, denn es geht nicht darum sich oder das eigene Projekt möglichst gut zu verkaufen. Die Idee dahinter ist mit Hilfe der kollektiven Intelligenz möglichst hilfreiche Problemlösungen zu finden, die dann konkret umgesetzt werden können.

Wer die Intelligenz der Gruppe nutzt, vertritt die respektvolle Haltung, dass jeder Mensch unabhängig von Machthierarchie, Alter oder Ausbildung einen hohen Erfahrungsschatz an Wissen, Können und Perspektiven mitbringt. Eine Person respektive ein Leitungsgremium könnten weniger praxisnahe Lösungen entwickeln, als eine divers zusammengesetzte Gruppe relevanter Stakeholder.

Schließlich steht das Arbeiten mit Gruppenintelligenz für eine demokratische Haltung. Der Einzelne wird gesehen, wertschätzt und erhält eine gleichberechtigte Stimme. Es gilt das Motto: „Wir sind alle unterschiedlich und das ist gut so!“
Viel Spaß bei der lebendigen Arbeit mit Gruppen!

Silke Borgmann ist Trainerin, Moderatorin, Business Coach und Mutter. Sie steht für kollektives Bewusstsein und kollektive Kreativität in Unternehmen. www.silkeborgmann.de

Die Typologie des „Progressiven Wir“

So ticken die jungen und nicht mehr ganz so jungen Aktiven, die versuchen eine enkeltaugliche Zukunft zu erschaffen und sich dabei der konkreten Probleme im Hier und Jetzt annehmen. Laut Ergebnissen des Zukunftsinstituts haben sie den Paradigmenwechsel von der Ich- zur Wir-Gesellschaft vollzogen. Sie leben folgendes Mindset:

„Für Menschen mit einem “progressiven Wir” Mindset bemisst sich der Wert einer jeden Tätigkeit an ihrem Beitrag zum Wohlergehen der Gesellschaft. Dabei erwarten sie von jeder und jedem Einzelnen ein hohes Maß an eigenem Gestaltungswillen. Es ist aus ihrer Sicht wichtig, familiäre Verpflichtungen, individuelle Selbstverwirklichung und gesellschaftliche Mitgestaltung zu vereinbaren. Das Ziel einer Gesellschaft ist für sie, gemeinsam gute Bedingungen für alle zu schaffen. Gemeinnützige Tätigkeiten erscheinen ihnen in diesem Zusammenhang oftmals sinnvoller als eine Arbeit, die vor allem aus monetären Gründen ausgeübt wird. Sie sind nicht bereit, für materielle Sicherheit ihre Prinzipien zu verraten. Vom Staat erwarten sie, dass er allen Bürgern ein lebenswertes Auskommen garantiert, unabhängig davon, welches Einkommen diese am Arbeitsmarkt erzielen.“

Mir gefällt diese Einschätzung, ich finde mich darin wieder. Wie findest du diese Beschreibung? In wie weit kannst du dich damit identifizieren?

Quelle: www.next-germany.de/erkenntnisse-der-datenanalyse/

Silke Borgmann ist Trainerin, Moderatorin, Business Coach und Mutter. Sie steht für kollektives Bewusstsein und kollektive Kreativität in Unternehmen. www.silkeborgmann.de

Community Building – Labor für gutes Leben

Seit Jahren fasziniert mich das Thema Community Building. Der Begriff klang verheißungsvoll und umwehte mich zunächst als Hauch, jedes Mal, wenn ich über ihn stolperte. Dann wuchsen mein Bewusstsein und das Wissen rund um Wir-Kultur, Gemeinwohlökonomie und neues Denken und der Wunsch dort hineinzuschnuppern klopfte immer deutlicher an meine Tür. Dieses Jahr haben wir uns entschlossen „Community Building“ mit Haut, Haar und Familie zu erkunden und besuchen verschiedene Gemeinschaften, sogenannte Ökodörfer. Wir wollen verstehen wie Gemeinschaftsbildung im echten Leben funktioniert und wie es sich anfühlt vor Ort zu sein. Vor ein paar Monaten haben wir unsere erste Gemeinschaft – Sulzbrunn im Allgäu – besucht. Seit 2015 leben dort rund 40 Menschen zusammen. Wir durften sie mehrere Tage begleiten, vor Ort mithelfen (haben geholfen gefällte Stämme und Äste aus dem Wald zu schaffen) und einiges über die Entstehung und das Funktionieren der Gemeinschaft erfahren. Der Satz eines Bewohners klingt mir nach wie vor im Ohr: „Wir werden als Gemeinschaft immer besser!“

Der Wille zusammenzukommen und gemeinsam zu wachsen, in der Kommunikation miteinander, im Lösen von Konflikten und in Entscheidungsprozessen immer besser zu werden ist ein starkes Kommittent. In Ökodörfern werden diese Qualitäten täglich erprobt. Viele Erkenntnisse lassen sich bereits jetzt in unsere Leben und in unsere Organisationen exportieren. Als wir in einer Abschlussrunde im Kreis zusammen saßen blieb mir nur zu sagen: „Ich finde es toll, was ihr hier geschaffen habt und freue mich, dass ihr es mit anderen teilt!“

Peter Spiegel schreibt in seinem Buch „WeQ – more than IQ“, dass wir in unserer Gesellschaft neue Qualitäten brauchen: Empathie, Potentialentfaltung des Einzelnen, die Welt im Sinne aller denken, Austausch auf Augenhöhe, Ergebnisoffenheit. Diese Eigenschaften sind für ihn grundlegend für eine Zukunft in der wir menschlich, kooperativ und lebenserhaltend miteinander umgehen wollen. Zig Lebensgemeinschaften auf der ganzen Welt sind uns hier einen großen Schritt voraus. Sie haben sich auf den Weg gemacht enkeltaugliches Leben und Wirtschaften Realität werden zu lassen.

Silke Borgmann ist Trainerin, Moderatorin, Business Coach und Mutter. Sie steht für Kollektives Bewusstsein und Kollektive Kreativität in Unternehmen. www.silkeborgmann.de

Neue WIR-Kultur für Organisationen

Der Paradigmenwechsel

Die neue WIR-Kultur steht für den Übergang von der modernen Gesellschaft hin zur Netzwerkgesellschaft. Verschiedene Vordenker versuchen diese durch bildliche Ansätze zu beschreiben. Ulrich Weinberg spricht von Brockhausdenken versus Netzwerkdenken.  Seine provokante These lautet sinngemäß der Brokhaus ist tot – es lebe das Netzwerk. Laut Weinberg werden wir nicht mehr in aufeinanderfolgenden ABC-Sequenzen, nicht mehr stringent im Sinne von Zielplanung, Meilensteinen und geraden Wegen zum Ziel denken, sondern in vernetzten Knotenpunkten, die ein Wissensgeflecht aufbauen und sich gegenseitig unterstützen. Peter Spiegel identifiziert den WeQ und sagt WeQ ist mehr als IQ. Er spricht von neuen Qualitäten, die wir in Zukunft brauchen werden: Empathie, Potentialentfaltung des Einzelnen, Austausch auf Augenhöhe, Team und Prozess, Ergebnisoffenheit.

Das sagt die Zukunftsforschung

Das Zukunftsinstitut hat in umfassenden Umfragen die Notwendigkeit eines Paradigmenwechsels in unserer Gesellschaft identifiziert. Es seien nicht die Politiker oder Unternehmen, die das sagten, sondern die Mehrheit der Deutschen. Die Menschen merkten, dass sich ein tiefgreifender Wandel vollziehe, der die Gesellschaft spalten oder neue Formen der Partizipation und des Miteinanders schaffen könne. Wir würden uns von einer Gesellschaft in der ein Parteiprogramm vorgestellt und dann vom Bürger diskutiert werde, hin zu einer Gesellschaft entwickeln, in der Social Entrepreneure und Bürger ihre Programme selbst erstellten. Auch meiner Beobachtung nach wird Politik von unten immer entscheidender. Der Mensch erobert sich seine Umwelt zurück und will diese selbst gestalten. Maßnahmen, wie die Einführung von Bürgerbudgets, die für Nachbarschaftsprojekte von Menschen für Menschen zur Verfügung stehen, sind ein Beispiel für vom Staat geschaffene Rahmenbedingungen, um auf das stärker werdende Bedürfnis nach Selbstbestimmung der Bürger zu antworten. Somit werden die Initiativen kleinteiliger, bleiben häufig noch unter dem Radar der klassischen Berichterstattung. Im Gegenzug sind sie selbstorganisiert und intrinsisch motiviert. Ein weiterer Aspekt unserer sich wandelnden Gesellschaft ist also, dass Veränderungen zunehmend aus sich selbstheraus geschehen werden, orientiert an den alltäglichen Bedürfnissen der Menschen. Die Zukunft wird dadurch weniger planbar. Wir werden weniger versuchen die Zukunft hervorzusagen und zu kontrollieren. Im Gegenteil werden wir mehr ausprobieren, mehr machen und schließlich den Weg gehen, der sich für das Individuum ebenso wie für eine übergeordente Sinngemeinschaft richtig und gut anfühlt.

Was bedeutet das eigentlich für Unternehmen?

Was heißt das für Organisationen? Zunächst wird der Mitarbeiter zunehmend in die Mündigkeit kommen. Führungskräfte werden mehr Freiräume lassen, stärker auf das Wissen und die Kreativität divers zusammengesetzter Teams setzen. Im Idealfall nicht nur interdisziplinäre Teams, sondern ebenso Teams unterschiedlicher Altersstrukturen oder Kulturen. Dieser Austausch und Prozess braucht professionelle Anleitung und Moderation von Menschen, die beide Sprachen sprechen. Die Sprache der alten Kultur und die der Neuen. Es wird Menschen brauchen, die sich auf Nicht-Wissen und geplante Unsicherheit einlassen können und die Organisationen dennoch einen sicheren Rahmen bieten. Der Kulturwandel vollzieht sich bereits in vielen Bereichen, wie Frederic Laloux in seinem Buch „Reinventing Organisations“ identifiziert. Er spekuliert, ob wir eine neue Bewusstseinsstufe brauchen, um Organisationen neu zu definieren. Es wird um Ganzheit gehen, im Sinne von Platz für den ganzen Menschen im Unternehmen, nicht nur für das berufliche Selbst. Es geht um organische Weiterentwicklung, also aus sich selbst heraus. Es geht darum im Inneren flexibel zu bleiben, innere Vielfalt zu generieren und zu kultivieren. Dafür wird es nicht zuletzt Menschen brauchen, die sich auf neue Prozesse einlassen wollen, denen das Miteinander wichtiger ist als das Ich und die die Potenziale der neuen WIR-Kultur erkennen und mitgestalten wollen.

Silke Borgmann ist Trainerin, Moderatorin, Business-Coach und Mutter. Sie steht für kollektives Bewusstsein und kollektive Kreativität in Unternehmen. www.silkeborgmann.de